Wissenswertes

Zum Lesen …

„Frankfurter Grüne Soße – sieben Kräuter müssen’ s sein“
Die “ Grie Soß” – wie sie im Dialekt heißt – wird seit Generationen im Stadtteil Oberrad im Frankfurter GrünGürtel angebaut. Die reich illustrierte Broschüre bietet umfangreiche Informationen über das Frankfurter “Nationalgericht” Grüne Soße, die sieben Kräuter, die unbedingt hineingehören, das Gärtnern in Oberrad sowie das Grüne-Soße-Denkmal.

Die Broschüre erhalten Sie kostenlos beim Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main.

Gut zu wissen …

Im “Verein zum Schutz der Frankfurter Grünen Soße” haben sich einige Gärtnerbetriebe zusammen geschlossen und bei der EU den Schutz der Ursprungsbezeichnung beantragt. Die Zusammensetzung soll nur aus den klassischen sieben Kräutern bestehen:
Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie, Kresse

Zum Anschauen …

Ein Denkmal für die Grüne Soße der Künstlerin Olga Schulz im Stadtteil Oberrad von Frankfurt am Main.
Im Mai 2007 ist das “Denkmal für die Grüne Soße” am Ortsrand von Oberrad eingeweiht worden. Die sieben Gewächshäuser symbolisieren sieben Kräuter: Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie und Kresse. Die Wände der Gewächshäuser aus Polycarbonat sind im Farbton des jeweiligen Krauts gefärbt und in der Dämmerung leuchten die Gewächshäuser wie Smaragde. Eine Huldigung an das Frankfurter Traditionsgericht und den innerstädtischen Gemüse- und Kräuteranbau in Oberrad.
Das Grüne Soße Denkmal leuchtet bei Nacht.

Zum Selbermachen …

Ein Festival Rezept

Grie Soß mit Avocado

 

Viel Forscher hawwe lang geforscht,
jetz wisseses: Grie Soß mäscht Dorscht.
Macht ruisch schon maa die Kehle frei
fer die Grie Soß un Ebbelwei!

Hans W. Wolff

“Zur Grünen Soße gehört ein guter Apfelwein”, sagt Apfelweinsommelier Michael Stöckl.

Anton Le Goff, beseelt von der Idee, an jedem Abend eine Kelterei aus Hessen vorzustellen, erhob Stöckl kurzerhand in den Rang des “Apfelweinbeauftragten des Grüne Soße Festivals”.

Stöckl zog nun aus, den Kelterern die Grüne Soße schmackhaft zu machen und lief, wie Anton schon vermutete, offene Keltereitüren ein. Man wählte aus der obersten Riege der hessischenApfelweinkeltereien aus, wer den Grüne Soße – Wettstreit der Köche begleiten darf.

Foto © Apfelwein International UG, Fotograph: Armin Ritter

 

Alles Legende. Legende, dass die Grüne Soße Goethes Leibspeise gewesen sei. Legende auch, dass sie gar ein Rezept der Frau Aja, Goethes Mutter, gewesen sei. So sollen alle Variationen des Frankfurter Nationalgerichts auf Frau Ajas Kochbuch zurückgehen. Auch das Legende, denn sie hatte gar kein Kochbuch, sondern benutzte und zitierte in ihren Briefen das Lindheimer’sche Kochbuch ihrer Großmutter.

Nix also war’s mit Goethe und der Grünen Soße. Er hat sie höchstwahrscheinlich gar nicht gekannt, geschweige denn jemals gegessen und zur Leibspeise erkoren. Goethe, der warmen Krautsalat mit Speck, Schwartenmagen, Teltower Rübchen, Wild und Artischocken schätzte, hat oft und viel übers Essen geschrieben. Hätte er da die Grüne Soße nicht ebenfalls erwähnt?

Das fände Doris Hopp nur logisch. Die Chefin der Bibliothek des Freien Deutschen Hochstifts-Goethemuseum Frankfurt beschäftigt sich seit über drei Jahrzehnten mit Goethe; ein Gutteil davon mit seinen Essgewohnheiten. Denn die gleichen Fragen häufen sich jedes Frühjahr, sobald die Saison für frische grüne Soße-Kräuter beginnt, und die appetitlich in weißes Papier gehüllten Kräuterpäckchen auf Frankfurter Marktständen feilgeboten werden. Auf jeder Packung ist das Rezept für “Echte Frankfurter Grüne Soße – Goethes Leibgericht” abgedruckt.

“Frei erfunden”, glaubt man den Goethe-Kennern Walter Michel und Herbert Heckmann. Sie vermuten, die Grüne Soße sei in Frankfurt überhaupt erst nach 1850 bekannt gewesen. Also lange nach Goethe, und noch länger nach seiner Mutter. Trotzdem hält der Streit um die Grie Soß’ die Geburtsstadt des Dichterfürsten seit Jahren in Atem.

Denn die Spielverderber vom Goethemuseum finden in der Goethe-Stadt wenig Gehör. So bleibt Doris Hopp nur der Trost an alle, die gern nach Goethes Gusto schmausen würden: Hätte er die Grie Soß’ gekannt, hätte er sie sicher geliebt. Denn frisches Gemüse war Goethe bekanntlich ja in vielerlei Gestalt lieb … .

Barbara Goerlich

nach Frau Rat Goethe?

Zutaten:
1 Eßlöffel Butter
1-2 Eßlöffel Mehl
¼ Liter heiße Milch
Salz, Pfeffer und Muskat
Saft von ½ Zitrone
6 Eßlöffel gehackte Kräuter, es sollten 7 verschiedene Sorten sein (je nach Saison Petersilie, Schnittlauch, Dill, Basilikum, Zitronenmelisse, Liebstöckel, Estragon, Kerbel, Salbei, Kresse)

Zubereitung:
Butter in einem Topf schmelzen lassen, Mehl einstäuben und goldgelb anschwitzen. Nach und nach unter ständigem Rühren mit heißer Milch auffüllen. 10 Minuten köcheln lassen. Kräuter untermischen und Soße mit Gewürzen und Zitronensaft abschmecken.

Grie Soß gibts heut zum Middaachesse
mit siwwe Kräuder, all aus Hesse.
Borretsch, Schniddlauch sinn debei
Pimbinell kimmt aach enei,
eweso e Porzjon Kresse.
Saueramfer net vergesse!
Dann noch Kerwel, Pedersillje:
E Festmahl fer die ganz Famillje.

Gebraucht wern fer drei, vier Persone
dreihunnert Gramm, dann duht sischs lohne.
Des Griezeusch is ja net so deier.
Als neeschsdes, hadd gekocht, zwaa Eier,
en Leffel Eel, en Leffel Essisch
– so schbrischt mer des korreggt uff hessisch –
zwaa Zwiwwele muss mer dann scheele,
die derfe in der Soß net fehle,
e bissi Jogurt, sauer Sahne
sieße Sahne brauch mer kaane,
zum Schluss noch Zugger, Peffer, Salz.

Des reischt. Mehr brauch mer keinesfalls.
Jetz Kräuder, Zwiwwel, feigehackt,
in e groß Schissel neigepackt,
un Salz un Peffer druffgeschdreut.
Dann lesst mer – nur Geduld, ihr Leut! –
des ganze Zeusch mitsamt de Brieh
e Schdundlang odder zwaa dorschzieh.

Die Eier hackt mer dann schee klaa
un gibt se schbeder aach noch draa.
E bissi Salz un Zugger noch dezu?
Je nach Geschmack. Un dann is Ruh.
Mein Abbedidd is RIESEGROSS:
Jetz gibts Gequellde mit Grie Soß.

Hans W. Wolff